Contact für Groß und Klein- Background, Gedanken und Philosophie

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Mit diesem Text wollen wir etwas mehr zu dieser Tanzform schreiben. Woher sie kommt? Was durch sie geschaffen wird und warum wir es so wichtig und spannend finden, sie mit Großen und Kleinen zu praktizieren:

Contact Improvisation – was ist das?

Tanzen und Körperkontakt – Dialog

Contact Improvisation ist eine Tanzform, die sich in den 70 er Jahren aus dem modernen Tanz entstanden ist. Sie begann mit der Frage, was passiert, wenn Körper mit der Schwerkraft arbeiten. Es gibt verschiedene Definitionen über diese Tanzform, besonders ist für uns, dass in dieser Tanzform Berührung eine zentrale Rolle spielt. Berührung kann dabei unterschiedliche Qualtitäten haben. Über z.B. einen wandernden Berührungspunkt erforschen die Tanzenden, wie in einem Gespräch, wo der Tanz hingehen soll.

Dabei kann Gewicht geteilt werden, so dass Bewegungen möglich werden, die uns alleine nicht möglich sind. Manchmal wird ein Mensch getragen oder nimmt das Gewicht des anderen mit.

Contact Improvisation kann sehr unterschiedliche Qualitäten haben: dem Spiel der Kinder ähnlich, die sich übereinander rollen und rumtollen oder akrobatisch. Es kann jedoch auch sehr ruhig und achtsam sein. Es bietet die Möglichkeit ein feines Gespür für seinen eigenen Körper und das Gespräch zwischen zwei Körpern zu entwickeln, dass von außen vielleicht gar nicht sichtbar ist.

Jeden Moment im Tanz wird ausgelotet, welche Qualität der Tanz haben soll. Die verschiedenen Bedürfnisse der Tanzenden werden nonverbal verhandelt.

Contact Improvisation- Welt des Tanzes und Ich/ WIr

In dieser Tanzform erlernen wir sehr verschiedene Dinge: wir lernen uns und unseren Körper besser kennen. Dabei lernen und studieren wir unsere Anatomie, beispielsweise, wie wir weich und geschmeidig in den Boden gehen können und wiederaufstehen können. Wir lernen unsere Bedürfnisse kennen, wann wir langsam sein wollen, wann schnell, wie wir diese in unserem Körper und in Bewegung ausdrücken können.

Wir lernen die anderen in Bewegung kennen, wie bewegt/funktioniert ein anderer Körper, der vielleicht sogar ganz andere Maaße hat? Und wie können wir mit anderen in einen körperlichen Dialog treten? Und wie können wir gemeinsam tanzen? Dabei lernen wir z.B: führen wie auch folgen, Gewicht teilen, geben und nehmen.

Wir lernen, einen leeren Tanzraum mit unserer Kreativität in Bewegung zu füllen. Das heisst, wir werden uns der ständig wandelnden Kompositionen im Raum bewusst und können diese mit anderen zusammen gestalten.

Dialoge im Tanz von Groß und Klein- veränderte Gestaltungsräume und Wachstum

Contact Improvisation bietet eine Komplexität an teilweise auch unbewusstem Lernen, dass sowohl die Physis, das soziale Miteinander, künstlerische Kreativität und die emotionale Intelligenz verbindet. Es ist eine demokratische Tanzform in der um den nonverbalen körperlichen Dialog zwischen zwei und mehr Menschen geht.

Besondern für das Erlernen und Praktizieren von Contact Improvisation mit Großen und Kleinen heisst es, einen Raum zu schaffen, der Beiden, Erwachsenen und Kindern ermöglicht, aus den im Alltag gegebenen Rollen herauszutreten und in einen Raum zu gelangen, wo diese verändert, vertauscht und ganz anders erfahren werden können. Es lässt auch zu, dass die Kinder sich mal ganz groß zu fühlen, indem sie z.B. die Erwachsenen führen und gibt den Erwachsenen die Möglichkeit, sich wie Kinder zu benehmen und ganz klein zu sein.

Es schafft eine subtile, intuitive Sprache zwischen Großen und Kleinen, die dazuführen kann, dass sich die Körper anders miteinander synchronisieren können. Eine körperliche Verbindung wird geschaffen, für die im Alltag manchmal kein Raum bleibt, die für beide Seiten sehr nährend und heilend sein kann.

Auch Begegnungen mit uns zunächst nicht so nahen Personen zu teilen, ohne Verpflichtung, ist eine sehr heilende und uns nährende Erfahrung für Große wie für Kleine. Hier zeigt sich oftmals wie sehr unsere Körper sich nach Berührung sehnen und diese für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden brauchen.

So können wir miteinander wachsen und die Erfahrung machen, was es heisst, Gestaltungsräume zu haben.

Kreativität

Die Erfahrung, gemeinsam einen leeren aber auch geschützten Raum zu bespielen und zu gestalten, kann als ein Genuss erfahren werden. Es ermöglicht dem kreativen Selbst in uns sich zu zeigen und auf vielfältige Weise auszudrücken. Es erlaubt, uns mit all den verschiedenen Qualitäten, die in uns sind, zu zeigen. Für viele kann ein freier und leerer Raum erst mal scheu einflößen, weil unser Leben zum großen Teil durchstrukturiert ist. Sich als Erwachsener aber auch als Kind darauf einlassen zu können, heißt, dass wir wieder Zugang zu unserem schöpferisch kreativen Potential bekommen und vielleicht Teile unseres Selbst und der anderen entdecken, die bisher nicht zu Tage getreten sind und im Alltag keinen Raum bekommen.

Verantwortung

Diesen „leeren“ Raum miteinander zu gestalten, lehrt uns Verantwortung dafür zu übernehmen so zu agieren, dass wir uns miteinander wohlfühlen und uns kreativ ausdrücken können. Wir lernen, wie wir mit unterschiedlichen Bedürfnissen umgehen können, beispielsweise wenn manche schnell und laut sein wollen und andere ruhig und langsam sein können. Kann es möglich sein, dass mit Hilfe von Achtsamkeit, diese doch so gegensätzlichen Qualitäten nebeneinander in einem Raum koexistieren können?

Wir lernen unsere Grenzen kennen und die der anderen respektieren und erweitern vielleicht auch Verständnis und Toleranz uns und anderen gegenüber.

Wir treten aus der Konsumwelt heraus, in einen Raum, den wir aktiv gestalten, uns hineingeben und erleben, wie unsere Energie gemeinsam mit den Anderen etwas Neues kreiiert. Das kann manchmal auch fordern und etwas anstrengend sein. Wir werden auf uns zurückgeworfen, mit uns selbst und unseren eigenen Mustern konfrontiert, die wir im Dialog mit anderen gespiegelt bekommen. Wie können wir hier lernen, dass es in Ordnung ist, auf uns zurückgeworfen zu sein und uns dabei fürsorglich zu betrachten. Wir können lernen zu sehen, was wir in solchen Momenten für uns brauchen, wie wir für uns sorgen können. Wenn wir für uns gut sorgen können, können unsere Kinder das ebenfalls lernen und wir können gegenseitig für uns sorgen aber auch uns abgrenzen, wenn wir mal nicht die Kapazitäten dazu haben.

Das bedeutet auch für die Woche, in der wir zusammen tanzen die Aufmerksamkeit dafür zu schulen, wann ich etwas für die Gemeinschaft tun kann, Dienste in Küche oder Raum übernehmen kann und wann ich es brauche mich mit oder ohne mein Kind zurückzuziehen, um mich auszuruhen und Ruhe zu finden.

Den Raum, die andere Welt halten

Für uns ist es wichtig, einen bestimmten Raum zu kreiieren, der diese Erfahrungen ermöglichen kann. Sowohl wir als auch die Kinder sind in ihrem Alltag mit einer Konsumwelt konfrontiert, die zu bestimmten Rollenverhalten führt, aber auch gerne über unsere eigenen Bedürfnisse und Grenzen hinweggeht. Das Spüren von uns selbst, das Lauschen in den Körper kommt gerne zu kurz.

Das ist uns, vor allem den Kindern oft gar nicht bewusst, so dass sie es auch nicht unbedingt suchen.
Es ist also wichtig, einen bestimmten Rahmen und Raum zu schaffen, in dem sie eigeladen werden, das zu probieren.

Wir alle sind Gewohnheitstiere, so kann etwas unbekanntes, auch erst mal eine Abneigung auslösen. Deswegen ist es vor allem von uns Großen die Aufgabe, den Raum so zu schaffen, dass die Kinder, sich trauen, etwas auszuprobieren, was fremd ist uns hier auch nicht abschrecken lassen, wenn sie gar erst mal mit Ablehnung reagieren oder sagen, es ist Langweilig.
Langeweile ist oftmals ein Ausdruck davon, nicht in eine Erfahrung gehen zu wollen.

Deswegen haben wir für die Reisen bestimmte Regeln, die wir wichtig finden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass diese Regeln, diese Einschränkung ermöglicht, dass Kinder und Erwachsene, sich auf etwas anderes einlassen können. Bestimmte Einschränkungen in einem Moment ermöglichen später eine größere Freiheit.